ABSCHIED AUF RATEN

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG den Straßenbahnverkehr nach Stiepel und Welper wieder auf.

Die Wagenhalle an der Wiemelhauser Straße in Bochum war am 4. November 1944 nahzu vollständig zerstört worden. Deshalb kamen zunächst überwiegend notdürftig reparierte Fahrzeuge auf die Strecken. Erst nach und nach wurden sie durch Neubauten oder nach Kriegsschäden wieder aufgebaute Fahrzeuge ersetzt.

Auch die Kosterbrücke hatte im Krieg gelitten. Als Folge musste die Brücke im Juli 1952 für den Individualverkehr gesperrt werden. Nach einem Artikel in der „Bochumer Zeitung“ vom 5. Juli 1952 betrug die Tragfähigkeit der Brücke aufgrund der Kriegsschäden nur noch maximal neun Tonnen.

Um zumindest einen Straßenbahnbetrieb mit Zweiachsern aufrecht erhalten zu können, werden durchgehend verschweißte Schienen eingebaut. Damit verlagert sich das Gewicht der Straßenbahnwagen auf alle Brückenbögen.

Acht Jahre später hatte sich der Zustand der Kosterbrücke so stark verschlechtert, dass der Straßenbahnverkehr zwischen dem Amtshaus Stiepel und Welper eingestellt werden musste. Der am 1. Februar 1960 eingerichtete Omnibus-Ersatzverkehr wurde schleichend zur Dauerlösung.

DIE LETZTEN JAHRE

Vielen Bochumern blieb die Linie 5/15 als Ausflugslinie in Erinnerung. Die umso mehr, nachdem nach 1960 das Fahrtziel Henrichshütte nicht mehr existierte. Die Förderung auf der Zeche Carl-Friedrich war bereits 1930 eingestellt worden.

Anfang der 1950er-Jahre wurde die Strecke an vielen Stellen ausgebessert: So im Juli 1952 auf der Kemnader Straße zwischen Gräfin-Imma-Staße und Ministerstraße und zwischen der Ausweiche Petrikirche und der Bahnüberführung in Wiemelhausen. Im März 1954 wurden die Gleise in der Wiemelhauser Straße zwischen der Friedrich-Harkort-Straße und der Bruchstraße augetauscht.

In Bochum wurde der Streckenverlauf an die Neuordnung der Innenstadt angepasst. Ab dem 15. Juli 1954 fuhr die Linie 5/15 zunächst über die Oskar-Hoffmann-Straße und die neu gestaltete Kreuzung mit der Königsallee zum Bahnhof Bochum-Süd. Von dort erreichte sie über die inzwischen zweigleisig ausgebaute Brüderstraße, den Hellweg und die Bleichstraße die Endstelle am Nordbahnhof.

Am 27. September können dann eine neue Gleisanlage in der Wiemelhauser Straße, die Zentralhaltestelle vor dem neuen Bochumer Hauptbahnhof und die neue Endstellen-Schleife Stühmeyerstraße / Bahnhof Bochum-Nord in Betrieb genommen werden.

Die Linie nach Stiepel bleibt noch weitere neun Jahre in Betrieb. Die überwiegend eingleisige Streckenführung bereitet jedoch zunehmend Verkehrsprobleme. Ein zweigleisiger Ausbau ist nahezu auf der gesamten Streckenführung aufgrund der Straßenprofile nicht möglich.

Als Konsequenz wird die Strecke von Bochum nach Stiepel am 4. November 1963 vollständig eingestellt und durch die Omnibuslinie 48 ersetzt. Gleisreste in der Wiemelhauser Straße, in der Brenscheder Straße und in Stiepel erinnerten zum Teil noch über 40 Jahre an die Linie 5 / 15.

Auf dem Beitragsbild von Dieter Höltge (Sammlung Stefan Höltge) ist Triebwagen 182 (Credé 1951) am 17. November 1962 als Linie 15 auf der Kemnader Straße in Richtung Henrichshütte unterwegs. Das Gebäude mit dem Türmchen ist das Lutherhaus der Evangelischen Kirchengemeinde Stiepel.

  • 1960 war das letzte Jahr der Linie 15: Triebwagen 61 an der Ausweiche Kosterstraße.
    Foto Peter Boehm - Sammlung Axel Reuther