HATTINGER FAHRZEUGE

  • Triebwagen 242 (Uerdingen 1913) wurde 1937 nach Saarbrücken verkauft.
    Sammlung Peter Grothe - Sammlung Heimatverein Blankenstein e.V.

Die Grundausstattung des für den Betrieb der Hattinger Kreisbahn notwendigen Straßenbahnwagen wurde von der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG gebraucht übernommen. Später wurden auch neuwertige Fahrzeuge beschafft.

TRIEBWAGEN 1 BIS 10

Die ersten Triebwagen erhielten die Fahrzeugnummern 1  bis 10. Zunächst wurden diese jedoch nicht angeschrieben. Die Fahrzeuge stammten aus dem 1913 gelieferten letzten Los einer ab 1912 bei der Actien-Gesellschaft Düsseldorfer Eisenbahnbedarf (vormals Weyer & Co., genannt „Düsseldorfer Waggonfabrik“) und der Waggonfabrik Uerdingen gebauten Großserie von insgesamt 70 Triebwagen für das Bochumer und das Gelsenkirchener Straßenbahnnetz.

Die an die Kreisbahn verkauften Fahrzeuge mit den Betriebsnummern 242 bis 251 waren gegenüber den ersten Fahrzeugen der Serie mit einem stärken Fahrwerk und stärkeren Motoren des Typs DU 531 e der Siemens-Schuckertwerke (SSW) mit 37 Kilowatt Leistung ausgerüstet. Die Steuerung aller Wagen erfolgte über Siemens Schleifring-Fahrschalter des Typs OW.

34 passende Beiwagen wurden 1911 und 1912 von der Waggonfabrik Uerdingen und der Dortmunder Union geliefert.

Die 9,6 Meter langen und zwei Meter breiten Fahrzeuge waren nach neuesten Erkenntnissen konstruiert. Die modernen Wagenkästen boten 22 Fahrgästen Sitzplätze, die in Abteilform angeordnet waren. Außerdem standen 44 Stehplätze zur Verfügung.

Nach der Verpachtung der Hattinger Kreisbahn an die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG wurden die Triebwagen noch bis 1937 von dieser eingesetzt. Dann wurden die Triebwagen 1 bis 8 nach Saarbrücken verkauft. Dort wurden die „Hattinger“ von der Waggonfabrik de Dietrich technisch ertüchtigt und umgebaut. Sie erhielten neue Fronten und ein Schleppdach. Vier Fahrzeuge gingen im Zweiten Weltkrieb verloren. Die übrigen vier Triebwagen waren noch bis in die 1960er-Jahre in Saarbrücken im Einsatz.

Triebwagen 9 der Hattinger Kreisbahn gelangte 1937 zur Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen, die ihn als Triebwagen 242 (II) vom Betriebshof Witten aus einsetzte. Triebwagen 10 erlitt 1927 einen Totalschaden und wurde zerlegt.

TRIEBWAGEN 10 UND 11

Als Ergänzung zu den aus Bochum übernommenen zehn Triebwagen beschaffte die Hattinger Kreisbahn in den Jahren 1927 und 1928 jeweils zwei neue Triebwagen. Sie wurden von der Waggonfabrik Gastell in Mainz gebaut und unter den Wagennummern 10 (II) und 11 – Triebwagen 10 (I) hatte 1927 einen Totalschaden erlitten – sowie 41 und 42 in den Wagenpark eingereiht.

Die 1927 gelieferten Triebwagen 10 und 11 wurden von der Waggonfabrik Gastell in Mainz gebaut. Die Nummer 10 war wieder frei geworden, nachdem der 1913 gebaute Triebwagen 10 einen Totalschaden erlitten hatte. Sie entsprachen bis auf das Tonnendach den Fahrzeugen, die die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen 1922 bei der Waggonfabrik Gastell bestellt hatte.

Die 1928 ausgelieferten Triebwagen 41 und 42 erhielten dagegen ein Schleppdach.

Im Fahrgastraum der neuen Fahrzeuge standen 22 Sitz- und drei Stehplätze sowie weitere 20 Stehplätze auf den Plattformen zur Verfügung. Die beiden, im Abstand von 3,2 Metern angeordneten Achsen wurden bei den Wagen 10 und 11 von Motoren des SSW-Typs Ds 531 e, bei den Wagen 41 und 42 von Bergmann-Motoren des Typs SL 50 m angetrieben. Als Fahrschalter fand der Typ OF 5 Verwendung.

Zum Jahreswechsel 1937 wurden die vier Triebwagen an die Bochum Gelsenkirchener Straßenbahnen AG verkauft und unter den Nummer 497 bis 500 in den Wagenpark eingereiht.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Bergmann-Motoren der Triebwagen 499 und 500 gegen Motore des Typs Du 531 e ausgewechselt. 1951 erfolgte dann entsprechend den Motorentypen die Umnumerierung in 159 und 160 sowie 148 und 149.

Triebwagen 160 wurde 1953 einer Grundüberholung unterzogen. Er erhielt dabei einen neuen Aufbau, neue Motoren und Fahrschalter. Die Triebwagen in Ursprungsausführung wurden bis 1963 ausgemustert. Triebwagen 160 wurde bis Oktober 1968 eingesetzt und dann als Studienobjekt an die Ruhr-Universität verkauft. Im Dezember 1970 wurde das Fahrzeug als letzter Triebwagen der Hattinger Kreisbahn verschrottet.

BEIWAGEN 22 BIS 25

Zu den 1927 und 1928 gekauften Triebwagen beschaffte die Hattinger Kreisbahn bei der Waggonfabrik Gastell auch jeweils zwei Beiwagen nach Bochumer Musterzeichnungen von Beiwagen des Baujahres 1925.

Mit der Übernahme der Betriebsführung der Hattinger Kreisbahn gelangten die vier Beiwagen 1937 ebenfalls nach Bochum, wo sie die Nummern 300 bis 303 erhielten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sie mehrmals umnumeriert, bis sie 1951 endgültig als Beiwagen 362 bis 365 in den Wagenpark aufgenommen wurden. Bis zum Oktober 1961 wurden sie ausgemustert.

ARBEITSFAHRZEUGE

Zum Betriebsbestand gehörten neben Trieb- und Beiwagen für den Personenverkehr auch drei offene Loren, zu denen es allerdings in den Aufzeichnungen der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG und in der Fachliteratur keine weiteren Angaben gibt.