LINIE 17 – LINIE 8

Zum Zeitpunkt der Eröffnung der Verbindung von Bochum nach Hattingen gab es bei der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG keine Liniennummern. Das jeweilige Fahrtziel wurde an den Stirnseite der Wagen angezeigt.

Das änderte sich 1908, nachdem das Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk (RWE) für 7,5 Millionen Mark 73 Prozent der Aktien der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG erworben hatte und Hugo Stinnes zum Aufsichtsratsvorsitzenden bestellt worden war.

Seine Vision war ein gemeinschaftlich unter dem Dach des RWE organisierter Straßenbahnbetrieb für das gesamte Ruhrgebiet, in dem jeder Straßenbahnlinie eine eindeutig identifizierbare Liniennummer zugeordnet werden sollte.

Die Linie nach Hattingen erhielt anfangs die Liniennummer 17. Ob diese tatsächlich einmal an den Wagen angezeigt wurde, ist aktuell unklar. Als Bild oder Postkarte ist keine Aufnahme der Linie 17 erhalten geblieben.

Wenig später wurde die „17“ bereits durch die Liniennummer 8 ersetzt.

REKORDHALTER

Abgesehen von zwei kurzen Intermezzi als verlängerte Linie 2 (Herne – Bochum – Hattingen) in der Fahrplanperiode 1912/13 sowie vom 20. Juni bis zum 20. Juli 1928, wurde die „8“ als Linienbezeichnung für die Strecke von Hattingen nach Bochum bis heute beibehalten: über rund 125 Jahre.

Die Endstelle in Bochum wurde in der Vorkriegszeit mehrfach verlegt: Anfangs wendeten die Wagen in einem Gleisstumpf in der Bahnhofstraße. Vom 15. Dezember 1912 an fuhren sie über die sogenannte „Hellwegstrecke“ bis zum Bahnhof Bochum-Nord. Ab Ende 1913 war dann wieder der Bahnhof Bochum-Süd das Fahrtziel.

Mitte der 1920er-Jahre kehrte die „8“ dann wieder zum Bahnhof Bochum-Nord zurück. In dieser Zeit entstand das Beitragsbild dieses Kapitels. Es zeigt den 1924 von der Waggonfabrik Gastell gebauten Triebwagen 262. Das Foto wurde vermutlich im gleichen Jahr zur Dokumentation der auflackierten Werbung für „Dreiring Sprühseife“ auf dem Gleisvorfeld des Betriebshofes Altenbochum angefertigt (Sammlung Werner Fricke – Sammlung Ludwig Schönefeld).

Sehr schön ist die damals aktuelle Linienbeschreibung auf dem Seitenschild zu erkennen: „Hattingen – Linden – Weitmar – Bochum Hbhf. – Bhf. Nord“:

Die Aufnahme des Gemeinschaftsverkehrs zwischen Bochum und Recklinghausen brachte die Linie 8 vom 20. Juli 1928 an von Hattingen über das Streckennetz der Straßenbahn Herne – Recklinghausen bis zum Recklinghausener Hauptbahnhof.

In Hattingen blieb die „8“ durchgehend heimisch. Mit dem Start des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr am 1. Januar 1980 wurde die Bezeichnung in „308“ geändert. Für die Fahrgäste blieb es jedoch umgangssprachlich bei der „8“.

Das abschließende Bild zeigt den 1912 von der Waggonfabrik Uerdingen gelieferten Triebwagen 194 auf der „8“ in der Hattinger Bahnhofstraße (Foto D. Pott – Sammlung Jörg Rudat). Als das Bild 1942 aufgenommen wurde, wurde aus Materialmangel und aufgrund der Verdunklung vielfach auf das Zielschild verzichtet. Besondere Fahrtziele wurden mit einem Vorsteckschild angezeigt. Auch Triebwagen 194 führt ein solches Schild mit – vermutlich für die abendliche Einfahrt in den Betriebshof Weitmar (Fahrtziel „Blankensteiner Straße“).

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