GÜTERVERKEHR

Die Aufforderung des Generalkommandos des 7. Armeekorps in Münster an die im Industrie- und Handelskammerbezirk Essen tätigen Industrieunternehmen, Bergwerke und Verkehrsnternehmen vom 5. Januar 1917, die Möglichkeit von Güterverkehren über die Straßenbahnnetze zu erörtern, erreichte auch die Hattinger Kreisbahn.

Anders als bei der benachbarten Westfälischen Straßenbahn GmbH, die zu den ersten Verkehrsunternehmen im mittleren Ruhrgebiet, die das Thema aufgriffen, gehörte, fand die Hattinger Kreisbahn kaum Gelegenheit, sich im Güterverkehr zu engagieren. Dies, obwohl ein am 4. Januar 1917 ergangener Erlaß des Regierungspräsidenten Güterverkehre bis zum 10. Januar 1926 zugelassen hätte.

Das einzige in diesem Zusammenhang bekannt gewordene Projekt waren Fettkohle-Lieferungen unter der Regie der Westfälischen Straßenbahn GmbH von der Zeche „Lothringen I/II“ in Gerthe zur 21 Kilometer entfernten Henrichshütte. Dafür sollte 1923 ein großzügig bemessenes Kohleentladegleis in Höhe der Brucher Straße zur Steinfabrik der Henrichshütte angelegt werden.

Bevor dieses realisiert wurde, erfolgte 1920 ein Kohletransport auf Probe. Dafür hatte die Henrichshütte auf eigene Kosten und ohne landespolizeiliche Genehmigung ein erstes Anschlußgleis vom Streckengleis der Hattinger Kreisbahn in Höhe der Steinfabrik angelegt. Über dieses Gleis wurden mit den drei offenen Güterwagen („Loren“) der Hattinger Kreisbahn über den Jahreswechsel 1920/21 in Summe 502 Tonnen Kohle zur Henrichshütte gefahren, davon 385 Tonnen im Jahr 1920.

Bereits kurze Zeit später wurde das Anschlußgleis entfernt. Die Henrichshütte entschuldigte sich bei der Aufsichtsbehörde, den Probebetrieb ohne Genehmigung durchgeführt zu haben.

SCHAFFNERWEG

Eine weitere Güterverkehrs-Episode in Hattingen ist ein 1936 für den Bau der Siedlung „Schaffnerweg“ in Bochum-Weitmar von den als Siedler ausgesuchten Straßenbahnern durchgeführter „kleiner Güterverkehr“ zwischen der Henrichshütte und dem Baustellengleis an der „Kamplade“ in Eppendorf.

Die Steinfabrik der Hütte lieferte die Ziegel für die Siedlungshäuser. Um diese über das Straßenbahnnetz zur Baustelle zu transportieren, soll provisorisch ein Anschlußgleis, das zwischen der Unterführung des Sprockhöveler Baches und dem Torhaus vom Streckengleis abzweigte, zur Steinfabrik gelegt worden sein.

Die Chronik der Siedlung zitiert demgegenüber einen Zeitzeugen, der den Bau der Siedlung als Kind erlebt hat. Er berichtete, dass die Ziegel mittels einer einfachen Holzkonstruktion über die Werksmauer der Henrichshütte in die im Streckengleis wartenden Güterwagen der Siedlergemeindschaft Schaffnerweg verladen wurden.