RÖMISCH II UND III

Im Rückblick war das Geschäftsjahr 1926/27 eines der besten Jahre der Hattinger Kreisbahn. Das Unternehmen beschäftigte 61 Mitarbeitende. Die Zahl der beförderten Personen wird im Geschäftsbericht mit 1,47 Millionen angegeben.

Die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG übernahm über die gesamte Betriebsdauer der Straßenbahnstrecke nach Stiepel für die Endstelle die Bezeichnung „Frische“. Als Bushaltestelle blieb die Bezeichnung bis 1978 erhalten. Seither heißt die traditionsreiche Haltestelle „Haarholzer Straße“.

UNFREIWILLIG GEMEINSAM

Die Linienbezeichnungen II und III waren nicht von langer Dauer: Der im Mai 1920 gegründete Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk (SVR) hatte den Anspruch, die Verkehrsunternehmen im Ruhrgebiet im Interesse einer langfristigen Regionalplanung zu verpflichten, den öffentlichen Personennahverkehr gemeinsam zu betreiben.

Das lief 1927 darauf hinaus, dass die Hattinger Kreisbahn gezwungen wurde, die Linie nach Stiepel an der Zeche Carl-Friedrich mit der Bochumer Linie 3 zusammenzulegen. Die Wagen der Hattinger Kreisbahn nutzten fortan die „römischen“ Liniensignale II und III, die der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen die „arabische“ Ziffer 3.

Die für den Gemeinschaftsverkehr notwendige Gleisverbindung an der Zeche Carl-Friedrich wurde im Frühjahr 1928 fertiggestellt.

Vom 5. April 1928 an fuhren die Gesellschaften gemeinsam auf den Strecken Welper Henrichshütte – Stiepel – Zeche Carl-Friedrich – Bochum Nordbahnhof (Linie 3 / III) und Stiepel / „Frische“ – Zeche Carl-Friedrich – Bochum Nordbahnhof (Linie II).

Da es in Höhe des Amtshauses Stiepel aus topographischen Gründen von Anfang an erforderlich war, die Strecke nach „Frische“ über einen Richtungswechsel zu betreiben – der Abzweig war nur aus Fahrtrichtung Bochum möglich – wurden die Wagen für den Gemeinschaftsverkehr von Bochum Nordbahnhof nach „Frische“ zumeist durch die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG gestellt. Die Verbindung nach Welper wurde bevorzugt mit Wagen der Hattinger Kreisbahn bedient.

SELTENE BILDDOKUMENTE

Das Beitragsbild aus dem Jahr 1928 zeigt den 1926 von der Mainzern Waggonfabrik Gastell gebautenTriebwagen 521 vor dem Bochumer Nordbahnhof (Sammlung Verkehrshistorische Arbeitsgemeinschaft BOGESTRA e. V.). Der Wagen ist als Linie III mit Fahrtziel „Stiepel – Hattingen“ ausgeschildert. Interessant ist auch das Vorsteckschild „Anschluss nach Stiepel – Frische – Blankenstein“. Das deutet darauf hin, dass das Foto an einem Sonn- oder Feiertag aufgenommen wurde.

Das abschließende Foto zeigt einen als Linie 3 ausgeschilderten Triebwagen am Bahnhof Bochum-Nord. Hinter dem Linienwagen steht ein vermutlich als Arbeitswagen eingesetzter Weyer-Triebwagen. Die Reproduktion der seltenen Postkarte verdanke ich den Bochumer Eisenbahnfilmern Rolf und Achim Schlafke.

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