NACH STIEPEL

  • Ein Wagen der Hattinger Kreisbahn überquert 1929 die Kosterbrücke in Richtung Stiepel.
    Foto Stadt Bochum Pressestelle

Die Erholung der Wirtschaft beflügelte den seit langem diskutierten Plan, von der Henrichshütte eine Verbindung in die zum Landkreis Hattingen gehörende Gemeinde Stiepel herzustellen – mit einem Streckenast zur Zeche Carl-Friedrich an der Gemeindegrenze nach Weitmar und einem Streckenast zum beliebten Ausflugslokal „Zur schönen Aussicht“.

In den politischen Gremien der Gemeinde Stiepel gab es dazu bereits 1911 erste Initiativen. Nachdem zunächst eine Linienführung über die Brückstraße (Am Vahrenholt) zur Kosterbrücke favorisiert wurde, reifte im September 1913 der Plan, die Finkenstraße (1929 umbenannt in Kosterstraße) für den Bau der Straßenbahn neu anzulegen.

Im Juli 1914 wurde das Projekt in der Gemeindevertretung beschlossen. Der Krieg verhinderte eine zügige Umsetzung. Erst im Mai 1922 konnten erste Rodungsarbeiten für die Trasse der neuen Finkenstraße angegangen werden.

Die Besetzung des Ruhrgebiets und die Inflation führten bald schon zur erneuten Einstellung der Arbeiten. Die Menschen in Stiepel mußten somit weiter auf ihre Straßenbahn warten.

Anfang 1926 wurde endlich mit dem Bau der Strecke begonnen. Am 6. Dezember 1926 waren erste Probefahrten möglich, am 18. Dezember 1926 konnten die 7,54 Kilometer zusätzlicher Strecke von Welper über das Gemeindehaus Stiepel zur Zeche Carl-Friedrich als Linie II und der Abzweig nach „Frische“ als Linie III in Betrieb genommen werden.

ZUR SCHÖNEN AUSSICHT

„Frische“, eine Gaststätte auf der Anhöhe zwischen Bochum und dem Ruhrtal, war nach Recherchen des Stiepeler Vereins für Heimatforschung e.V. zu Beginn des 20. Jahrhunderts das soziale und gesellschaftliche Zentrum in Stiepel. Die 1857 von Friedrich Frische gegründete „Restauration zur schönen Aussicht“, kurz „Frische“, diente den Bochumer und Hattinger Bürgern als Ausflugslokal. Zugleich war die Gaststätte das Stammlokal zahlreicher Vereine. Darüber hinaus beherbergte sie eine Postagentur.

1935 gab die Familie Frische das Lokal auf. Bis zur endgültigen Schließung der Gaststätte wechselten mehrfach die Besitzer des Anwesens und die Gastronomen. Um 1970 wurde das Gebäude zum Wohnaus umgebaut. 1976/77 folgte der Abbruch.