NACH BLANKENSTEIN

Das schnelle Wachstum der Henrichshütte hatte zur Folge, dass auf dem Gebiet der Bauernschaft Welper in schneller Folge neue Wohngebiete entstanden – etwa 1909 die Gartenstadt Hüttenau.

Welper gehörte wie das nördlich der Ruhr benachbarte Stiepel zum Amt Blankenstein. In Stiepel waren seit Mitte des 18. Jahrhunderts mehrere Kleinzechen eröffnet worden. Sie lieferten wiederum Kohle an die Henrichshütte. Als Transportweg über die Ruhr diente die 1854 erstellte Kosterbrücke.

Die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG hatte großes Interesse daran, die Henrichshütte von Hattingen aus an das bereits bestehende Streckennetz anzubinden.

Vor diesem Hintergrund unterbreitete sie am 27. Juni 1912 dem Landkreis Hattingen, zu dem Welper und Blankenstein seit 1886 gehörten, den Vorschlag, eine Straßenbahnstrecke von der Endstelle an der Kaiserlichen Post zur Henrichshütte und von dort nach Blankenstein zu bauen. Dazu legte sie mehrere Streckenvarianten vor.

Der Landkreis und die Stadt Hattingen befürworteten den Vorschlag. Allerdings sollte die Hoheit über die Strecken und die baulichen Anlagen im Landkreis verbleiben. In der Hattinger Innenstadt sollten alle Verkehrsbetriebe vorhandene Streckenführungen möglichst gemeinsam benutzen.

Am 1. Juli 1912 stimmte der Magistrat der Stadt Hattingen dem Bau der Straßenbahn zu. Mit dem Bau der Strecke wurde die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG beauftragt. Sie wurde darüber hinaus verpflichtet, als Betriebsführerin den Betrieb der Bahn sicherzustellen. Dazu gehörten insbesondere die Bereitstellung der notwendigen Fahrzeuge, deren Instandhaltung und die Ausbildung des Personals.

Die Gleisanlagen und die Hochbauten der Bahn, insbesondere der Betriebshof an der Hüttenstraße 21, sollten in die Anfang 1914 durch den Landkreis gegründete Hattinger Kreisbahn eingebracht werden.

Von großer historischer Bedeutung ist das Foto zu diesem Kapitel. Es zeigt Triebwagen 244 (Uerdingen 1913, später Triebwagen 3 der Hattinger Kreisbahn) vermutlich bei einer der ersten Probefahrt im Winter 1913/14 auf der neuen Kreisbahnstrecke: Das Liniensignal „8“ wurde ebenso wie das Zielschild „Hattingen“ im Planverkehr zwischen 1914 und 1919 nicht verwendet: Die Hattinger Linie fuhr ohne Liniennummer und mit dem Zielschild „Blankenstein“. Im Hintergrund ist zudem das Stahlgerüst des 1913 neu gebauten Hochofen I der Henrichshütte zu erkennen (noch ohne Schacht), dahinter Hochofen II aus dem Baujahr 1906, der 1913 eine neue elektrische Ausrüstung erhielt.