HÜTTENSTRASSE

  • Deutlich schärfer als die Postkarte der Hüttenstraße ist die fotografische Vorlage.
    Auf Augenhöhe: die Hochöfen der Henrichshütte.
    Sammlung Wilfried Ruthmann - Sammlung Heimatverein Hattingen/Ruhr e.V.

Ausgangspunkt der Initiative zum Bau der Straßenbahn von Hattingen nach Blankenstein war der Plan, die Stadt Hattingen und die Gemeinden im Landkreis über ein gut ausgebautes Netz von meterspurigen Straßenbahnen zu erschließen.

Neben der 1914 bereits konkret geplanten Strecke nach Stiepel sollte die Blankensteiner Strecke über Steinenhaus / Kemnade bis Herbede geführt werden – mit Anschluß an die Strecken der Westfälischen Straßenbahn GmbH in Witten.

Ein weiteres Projekt war die Fortführung der Stiepeler Strecke über die Kemnader Straße zum Steinenhaus mit der Option eines Ringverkehrs. Für dieses Projekt wurden beim Neubau der Kemnader Brücke in den Jahren 1926 bis 1928 rund 300 Meter Gleis in die Brückenfahrbahn gelegt. Die am 18. Juni 1928 fertiggestellte Brücke wurde gegen Ende des Zweiten Weltkriegs von deutschen Truppen gesprengt. Beim Wiederaufbau im Jahr 1949 war das Straßenbahnprojekt kein Thema.

Entsprechend großzügig wurde der Betriebshof geplant – und gebaut. Das betraf vor allem den Betriebshof der Hattinger Kreisbahn an der Hüttenstraße 21. Er sollte zum Zentrum des Hattinger Netzes ausgebaut werden.

Die Genehmigung für den Bau des Betriebshofes erteilte die Genehmigungsbehörde in Arnsberg am 3. April 1914. Zum beantragten Bauumfang gehörten ein Verwaltungsgebäude, Wagenhalle und Werkstätten sowie das Maschinenhaus mit der Umformerstation. Wann tatsächlich mit dem Bau des Betriebshofes begonnen wurde, läßt sich anhand der derzeit von mir ausgewerteten Akten nicht rekonstruieren.

Der Betriebshof bestand aus großzügigen Hallen aus Backstein: einer nördlichen, größeren Halle und einer etwas kürzeren südliche Halle. Sie waren mit freitragenden Runddächern ausgestattet. Die Oberlichter sorgten für eine gute Ausleuchtung. Die Einfahrt erfolgte von vom Grundstück Hüttenstraße 21 in Richtung des Hattinger Rathauses.

In der Umformerstation waren zwei Einanker-Umformer mit jeweils 500 Kilowatt Leistung installiert. Sie transformierten Drehstrom aus dem Fernleitungsnetz in den von der Straßenbahn benötigten Gleistrom mit einer Spannung von 600 Volt.

Neben den Fahrzeugen der Hattinger Kreisbahn wurden später auch die Omnibusse der Kraftwagengesellschaft Ruhr-Wupper mbH an der Hüttenstraße 21 untergebracht.

Nach der Betriebsübergabe an die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG wurde der Betriebshof für den Straßenbahnverkehr aufgegeben. Er wurde aber noch einige Zeit als Wagenhalle für die Omnibusse Kraftwagengesellschaft Ruhr-Wupper mbH genutzt.

Nach aktuellem Wissensstand wurde der Betriebshof noch vor den Bombardements des Zweiten Weltkrieges endgültig geschlossen und abgebrochen, um auf dem großzügigen Grundstück neue Wohnbauten erstellen zu können. Von diesen wurde zunächst nur eine Gebäudezeile an der Hüttenstraße realisiert. Die auf der Fläche der Wagenhalle geplante Wohnsiedlung „Am Einbäumchen“ wurde erst Anfang der 1950er-Jahre fertiggestellt.

Ein möglicherweise bei der Eröffnung des Betriebshofes auf einem Beet neben der südlichen Halle gepflanzter Apfelbaum blieb als einziges Relikt des ehemaligen Betriebshofes bis heute erhalten.

Für die Omnibusse der Kraftwagengesellschaft Ruhr-Wupper mbH wurde nach dem Krieg ein neuer Betriebshof an der Engelbertstraße in Hattingen gebaut.